Die Gotthardpost ist nicht nur ein Stück Schweizer Verkehrsgeschichte, sondern dank Daniel Würgler auch ein lebendiges Kulturgut. Hier sind die Details zu diesem faszinierenden Projekt:

Die historische Bedeutung
Die ursprüngliche Gotthardpost erlebte ihre Blütezeit zwischen 1842 und 1881. In Spitzenjahren (wie 1871) wurden über 70.000 Personen pro Jahr über den Pass befördert. Mit der Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels im Jahr 1882 verlor der Pferdetransport schlagartig an Bedeutung, bis 1926 die letzte offizielle Postkutsche den Pass überquerte.
Daniel Würgler und die Wiederbelebung
Seit 1987 lenkt Daniel Würgler die historische Postkutsche. Dass dieses Erlebnis heute noch möglich ist, liegt an seiner Leidenschaft und seinem fachmännischen Können:
- Die Kutsche: Es handelt sich um eine originalgetreue Nachbildung der legendären Gotthard-Diligence (ein fünfspänniger Postwagen).
- Die Route: Die Fahrt führt von Andermatt über die Passhöhe (2106 m ü. M.) nach Airolo. Das absolute Highlight ist die Fahrt durch die Tremola – die historische, kopfsteingepflasterte Passstraße mit ihren 24 engen Kehren auf der Südseite.
- Die Pferde: Würgler spannt in der Regel fünf Pferde ein (meist schwere Warmblüter und Freiberger (FM)), die die Kraft für den Aufstieg und die nötige Ruhe für die steilen Abfahrten mitbringen.
Ein Tag als Postillion
Die Fahrt ist für Würgler und sein Team Schwerstarbeit und Präzisionshandwerk:
- Authentizität: Die Passagiere reisen wie vor 150 Jahren. Es gibt keinen Motor, keine moderne Hydraulik – nur die Stimme des Postillions, die Leinen und die Bremskurbel.
- Mythos: Würgler betont oft, dass das berühmte Gemälde „Die Gotthardpost“ von Rudolf Koller (1873) für ihn eine ständige Inspiration ist, diese Ästhetik und Dynamik am Leben zu erhalten.
Fakten zur Fahrt heute
Die Fahrten werden heute meist von der Historischen Reisepost organisiert. Die Nummer lautet: 041 888 00 05 oder info@gotthardpost.ch
- Saison: Die Kutsche verkehrt nur in den Sommermonaten (ca. Juni bis September), wenn der Pass schneefrei ist.
- Erlebnis: Eine Fahrt dauert meist einen ganzen Tag, inklusive Verpflegung und historischen Anekdoten des Postillions.
Eine Fahrt mit der Gotthardpost unter der Peitsche von Daniel Würgler ist keine blosse Kutschenfahrt – es ist eine Zeitkapsel in die Vergangenheit. Wer heute einsteigt, erlebt den Mythos des 19. Jahrhunderts mit allen Sinnen.
Hier ist eine kurze Beschreibung des Erlebnisses, wie es Reisende erwartet:
Die Reise: Von Andermatt in den Süden
Die Fahrt startet klassisch in Andermatt (Kanton Uri). Schon beim Anspannen der fünf Pferde spürt man die Anspannung und Vorfreude. Es ist der Moment, in dem die moderne Welt leiser wird und das rhythmische Klappern der Hufe auf dem Asphalt den Takt angibt.
Der Aufstieg zur Passhöhe
- Das Gespann: Fünf kräftige Pferde ziehen die schwere, gelbe Postkutsche (die „Diligence“). Daniel Würgler thront als Postillion hoch oben auf dem Bock.
- Die Szenerie: Es geht stetig bergauf, vorbei an schroffen Felswänden und wilden Bächen. Der Wind wird kühler, die Luft dünner. Man hört nur das Schnauben der Pferde und das Knarren des Holzes.
- Die Mittagspause: Auf dem Hospiz (2106 m ü. M.) wird meist eine standesgemäße Pause eingelegt – wo die Reisenden sich vor 150 Jahren gestärkt haben.
Das Highlight: Die Tremola
Der spektakulärste Teil beginnt nach der Passhöhe. Die Tremola ist die historische, kopfsteingepflasterte Passstraße, die sich in 24 engen Kehren ins Val Tremola hinunterwindet.
- Adrenalin & Handwerk: Hier zeigt sich die Meisterschaft des Postillions. Daniel Würgler muss das schwere Gefährt mit der Handkurbel bremsen, während die Pferde in den engen Kurven präzise geführt werden.
- Das Geräusch: Das Rattern der Räder auf dem Granitpflaster ist faszinierend, ein mechanisches Konzert aus einer anderen Zeit.
Was Reisende wissen sollten
- Authentizität: Es gibt keine moderne Federung wie im Auto. Man spürt jede Unebenheit, was den Charme der „echten“ Reise ausmacht und trotzdem ist es sehr angenehm in der Kutsche.
- Kleidung: Das Wetter am Gotthard schlägt schnell um. Auch im Sommer sind eine winddichte Jacke und Sonnenschutz Pflicht. Ein „Hut“ ist auf jedenfall Pflicht.
- Perspektive: Man sieht die Welt mit der Geschwindigkeit von ca. 7–10 km/h. Das entschleunigt den Geist und lässt Details der Alpenflora und -fauna sichtbar werden, die man im Auto (oder im Tunnel darunter) völlig verpasst.
